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Umsetzung mit Engagement

 

Die Formel Cyber-Physical Systems begeisterte einige Unternehmen und viele Akteure der Hochschul- und der institutionalisierten Forschung. Einige dieser Aktivitäten veranlassen zum gelegentlichen Schmunzeln. So formuliert der ZVEI äußerst erwartungsvoll die Zukunft mit »Industrie 4.0«: »Automatisierungstechnik und industrielle IT sind Schlüsseltechnologien der kommenden Jahre für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. Es ist zu erwarten, dass gerade Unternehmen dieser Branche von der Entwicklung hin zu Cyber-Physical Systems am meisten betroffen sein werden. Gegenstände und Maschinen verfügen künftig im Internet über eigene Adressen und Informationen bezüglich Herkunft und Bestimmung. Sie werden über das Internet miteinander in Kontakt treten und autonom miteinander kommunizieren. Das dadurch entstehende Internet der Dinge ermöglicht die Entwicklung ressourcensparender, hocheffizienter Produktionsverfahren. Es ist zugleich Basis für neue Geschäftsmodelle und damit Treiber einer vierten industriellen Revolution.

Im interdisziplinären Zukunftsprojekt Industrie 4.0 haben Elektrotechniker, Informatiker und Maschinenbauer damit begonnen, diesem Wandel den Weg zu bereiten. Ziel ist es, Deutschland einen Vorsprung bei der nächsten IKT-basierten Innovationswelle zu verschaffen. Über viele der dafür notwendigen Kompetenzen verfügt die deutsche Elektrotechnik- und Elektronikindustrie schon heute. Der ZVEI begleitet daher dieses Vorhaben aktiv, um die industrielle Basis Deutschlands und damit die der Mitgliedsunternehmen des Verbands langfristig zu sichern.« (www.zvei.org  a.a.O.) (http://www.zvei.org/Presse/Mediathek/Videos/Seiten/Industrie-4.0-auf-der-Hannover-Messe-2012-.aspx?&start1=25?&start1=25 )

Der VDMA hat dem Thema »Industrie 4.0« ebenfalls in vielfacher Weise Platz und Aufmerksamkeit gewidmet: » Die Welt steht vor einer technischen Umwälzung, die auch die Gesellschaften erfassen wird. Eine veränderte Wertschöpfungskette in den Fabriken bewirkt, dass heute nicht mehr die Maschine »blind« ein Werkstück bearbeitet, sondern dass das Werkstück der Maschine sagt, was zu tun ist.« Das Werkstück kennt seine Konfiguration und seinen Empfänger. Es löst Materialbestellungen ebenso aus, wie es sich zum richtigen Auftraggeber lotst. Hochentwickelte Software arbeitet mit Hightech-Maschinen, zusammen treffen sie Entscheidungen und minimieren menschliche Fehlerquellen. Die Zeichen stehen weltweit auf Steigerung von Produktivität und Flexibilität – das gilt für Menschen und Maschinen.« (www.vdma.org a.a.O.) (http://www.vdma-webbox.tv/deutsch/filmdatenbank/integrated-industry-statements.html

 

Geänderte Zielsetzung oder Kurskorrekturen

 

Inzwischen hat es einige notwendige »Kurskorrekturen« zum Themenfeld »Industrie 4.0« gegeben. Insbesondere die öffentliche Förderungspolitik hat reagiert: Das ergänzte Förderprogramm für die »Förderung der Produktion von Morgen« wurde erneut veröffentlicht, zuletzt im März 2013. Dabei sind einige wesentliche Verschiebungen in den Förderungsschwerpunkten zu erkennen. Die Betreuung des Themenfelds »Hochleistungsfertigungsverfahren für die Produkte von Morgen - Technologieinnovationen auf dem Weg zur intelligenten Fertigung« bleibt beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angesiedelt. Folgende Forschungs- und Entwicklungsaspekte scheinen dem BMBF vordringlich zu sein:

• Entwicklung von Fertigungsverfahren, welche sich durch ihre Überlegenheit gegenüber etablierten Verfahren auszeichnen. Übergeordnet steht hier die Erhöhung des Wirkungsgrades des zu betrachteten Fertigungsverfahrens in den jeweiligen technischen Machbarkeitsgrenzen im Fokus. Dabei können Konzepte, aufbauend auf bestehenden Technologien, sowie gänzlich neue Konzepte betrachtet werden.

• Entwicklung von Fertigungsverfahren, welche in einer besonderen Weise dazu beitragen, die Prozesskette zur Herstellung eines Produktes zu optimieren und wenn möglich, z. B. durch den Wegfall eines Fertigungsschritts, zu verkürzen, was zu erhöhter Wirtschaftlichkeit führt.

‹ Entwicklung von Fertigungsverfahren, welche sich durch eine hohe Ressourceneffizienz auszeichnen, z. B. Fertigung von maßfertigen oder endkonturnahen (near-net-shape) Teilen, verminderter Materialabtrag, gesenkte Werkzeugkosten sowie höhere Lebensdauer der Werkzeuge.

• Entwicklung von Fertigungsverfahren, welche auf neue Werkstoffe/Materialverbünde anwendbar sind (inhomogene Werkstoffzusammensetzungen, gestiegene Werkstoffhärten, Erzeugung von definierten Oberflächenzuständen, Minimierung der Maß- und Fertigungstoleranzen).

• Kombination von bisher getrennt ablaufenden Fertigungsverfahren zu einer integrierten Fertigung in Form von »hybriden Fertigungsverfahren«.

• Entwicklung von robusten Fertigungsverfahren, die erheblich zur Verbesserung der Prozessverfügbarkeit und der Prozess- und Produktqualität beitragen.

• Entwicklung von Fertigungsverfahren, die es ermöglichen, gänzlich neue Material- und Produkteigenschaften sowie Produkte zu generieren. (a.a.O.)

 

Von der Moderne in die Zukunft

 

Die Irritationen und Diskussionen um das Themenfeld »Industrie 4.0« und die damit verbundenen Zielsetzungen ebben nicht ab. Zu unterschiedlich sind die Auffassungen und Einschätzungen, sicherlich auch beeinflusst vom jeweiligen Habitus der Diskutanten. Die Begehrlichkeiten seitens Wissenschaft und institutioneller Forschung – hierbei stehen besonders die Fraunhofer-Institute in der vordersten Reihe – sind verständlich. Wer will nicht an die immensen Fördermittel gelangen, wenn sie denn verfügbar sind. Die Industrie, deren Fördermöglichkeiten im Vergleich zu den erstgenannten Bewerbern »eingeschränkt« sind, agiert zurzeit noch eher in der so genannten Findungsphase. Allerdings gibt es auch auf Seite der Industrieunternehmen einige bekannte, stets überschnelle Akteure, die sich bereits wahrnehmbar positioniert haben. Sowohl in Kongressveranstaltungen als auch durch Messeauftritte sind solcherlei Anstrengungen, die nicht immer »glücklich« konzipiert sind, zu beobachten.

Die drei namhaften Industrieverbände ZVEI, VDMA und Bitkom haben dagegen beschlossen, ihre Aktivitäten zum Themenfeld »Industrie 4.0« zu bündeln und mit einer gemeinsamen Geschäftsstelle die Interessen der Mitgliedsunternehmen zu unterstützen und zu koordinieren. Die im VDMA-Umfeld angesiedelte Geschäftsstelle wird von Rainer Glatz geleitet. Er betonte zuletzt im Rahmen einer Podiumsdiskussion beim Kongress der Feldbusorganisation Profibus International in Düsseldorf, dass es zunächst einmal um die Sondierung von Industrie 4.0 und weniger um hektische Betriebsamkeiten gehen sollte. Auf diesem Weg und bei diesen Prozessen wird ihn und die Geschäftsstelle eine aufmerksame Beobachtung über die Entwicklung und die Bemühungen zugunsten der Mitgliedsunternehmen begleiten.

Inzwischen ist auch eine programmatische Kehrtwende zu erkennen. Das alles bewegende Thema der bevorstehenden Hannover Messe 2013 heißt nicht – wie eigentlich erwartet - »Industrie 4.0«, sondern schlicht »Integrated Industry«. Damit gelangt ein Stück Realität zurück in die Aufmerksamkeit.

KONTAKT www.industry-focus.info

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