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Industrie 4.0 – die Zukunft findet bereits statt

 

Mit der Vorstellung von Projekten und Lösungsansätzen nimmt das Zukunftsthema Industrie 4.0 erste konkrete Formen an.

 

Industrie 4.0 ist weder ein Produkt noch ein Geschäftsmodell, sondern eher eine strategische Orientierung hin zu einer zukunftsfähigen Produktionswelt, die auf das Technologiefeld Industrie 4.0 als Plattform aufsetzt. »Die Fabrik der Zukunft bietet eine ungeahnte Flexibilität bei optimalem Ressourceneinsatz«, behauptet Prof. Dr. Henning Kagermann, Sprecher der Promotorengruppe Kommunikation der Forschungsunion und Co-Vorsitzender des Arbeitskreises Industrie 4.0. »Industrie 4.0 ist eine Chance für Deutschland, als Produktionsstandort, Fabrikausrüster und Anbieter von Business-IT noch stärker zu werden«, so argumentiert. Kagermann weiter. Der frühere Vorsitzende des SAP-Vorstands, der ebenfalls Präsident der acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften e. V. ist, hat die IT-Branche nach wie vor voll im Fokus.

 

Zielsetzung des Zukunftsprojekts Industrie 4.0

 

Im Technologiefeld Industrie 4.0 sind Cyber-Physical Systems (CPS) die eigentlichen »Akteure« der Produktionsprozesse. »Mit CPS gelingt die Schaffung neuer Formen der intelligenten Produktionstechnik, um innovative Produkte für den Weltmarkt generieren zu können und heimische Fabriken ressourceneffizienter und flexibler zu machen«, so beschreibt der Wissenschaftler Prof. Dr. Manfred Broy, Ordinarius für Informatik, Gründungsdekan der Fakultät für Informatik und Lehrstuhlinhaber an der TU München und international renommierter Experte in einer Studie die CPS, »… die neue kollaborative Formen der Arbeitsorganisation in der Smart Factory ermöglichen.«

»Die Möglichkeiten der Cyber-Physical Systems sind nahezu unbegrenzt«, argumentiert Prof. Dr. Broy mit dem Hinweis auf Ortsunabhängigkeit und Mobilität, Fähigkeit zur Vernetzung und Konnektivität, Einbindung an Prozesse der Realität und Physikalität, welche die CPS kennzeichnen. Durch semantische Interpretation, Context Awareness und Situativität kommt es laut Prof. Dr. Broy in der Fabrik der Zukunft zu einer durch Distributed Control ermöglichten Selbstorganisation, damit zum so bezeichneten Internet der Dinge.

Mit der Headline »Das Internet der Dinge und Dienste hält Einzug in der Fabrik« konkretisiert der Abschlussbericht des Arbeitskreises Industrie 4.0 die Bedeutung der CPS: »Industrie 4.0 meint im Kern die technische Integration von CPS in die Produktion und die Logistik sowie die Anwendung des Internets der Dinge und Dienste in industriellen Prozessen – einschließlich der sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Wertschöpfung, die Geschäftsmodelle sowie die nachgelagerten Dienstleistungen und Arbeitsorganisation«, heißt es im Abschlussbereicht, der als »Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt Industrie 4.0« überschrieben ist.

Mit solchen CPS, deren immanente Entwicklung letztlich zu Cyber-Physical Production Systems (CPPS) führt, hat sich die Technikwissenschaft hierzulande lange nicht befasst. In den USA sind CPS bereits seit einigen Jahren Gegenstand von Forschung und öffentlichen Experten-Diskussionen. Es ist daher müßig aufzuzeigen, wer den Begriff definierte oder erstmals verwendete. Aber es ist bezeichnend, dass Mitte Oktober ein Aufruf des Begriffs in der Suchmaschine Google in nur 0,2 Sekunden immerhin mehr als 7,6 Mio. Fundstellen ergab. Nicht minder überraschend ist, dass der Begriff Industrie 4.0, der weitaus jünger ist, in ebenfalls nur 0,2 Sekunden zu 5,37 Mio. Fundstellen führte. Daraus könnte gefolgert werden, dass die Begriffe und deren inhaltliche Bedeutung bekannt sind und einvernehmlich verwendet werden. Das diese Annahme nicht zutrifft, verdeutlichen einige so dargestellte Praxisberichte über Projekte mit Industrie 4.0. Denn CPS bzw. CPPS in der Ausprägung, wie es die Protagonisten und Professoren Broy, Wahlster und Zühlke (beide führende Wissenschaftler der IT und Produktionstechnik und Vorstand bzw. Vorstandsmitglied der DFKI) prognostizierten, sind - zurzeit jedenfalls – in der wissenschaftlichen Sichtweise nicht vorhanden oder bekannt.

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Prof. Dr. Manfred Broy (links), Ordinarius für Informatik, Gründungsdekan der Fakultät für Informatik und Lehrstuhlinhaber an der TU München. Bild: Deutsche Messe.

Prof. Dr. Henning Kagermann (arcatech, 2.v.l.), Prof. Dr. Wolfgang Wahlster (2.v.r.), Universität des Saarlandes und Vorsitzender der DFKI, Prof. Dr. Detlef Zühlke (rechts), Universität Kaiserslautern und Vorstandsmitglied der DFKI.   Fotos: Klinker (2), DFKI (2)

Grafik: Acatech