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Zwischen Strategie und Wirklichkeit (Teil 2)

 

Nach den Informationen der Protagonisten macht APL jedoch keine Vorgaben an die Netztopologie. APL umfasst lediglich die Spezifikation über die Verbindung zwischen zwei APL-Ports, z. B. eigensicher, 10 Mbit/s, 500 mW zur Versorgung eines Endgeräts oder eigensicher, z. B. 10 Mbit/s, ohne Energieversorgung. Diese Eigenschaften werden innerhalb eines APL-Profils beschrieben. Ausgehend von einer Steuerung wird ein APL-Ethernet Switch mit einer bereits heutzutage verfügbaren Ethernet-Technologie (z. B. 100/1000 Base-T) als Kupfer oder LWL-Verbindung angeschlossen. Der APL-Ethernet-Switch verfügt über mindestens einen APL-Trunk-Port, um die ihm unterlagerten APL-Field Switches anzuschließen. Da der APL-Ethernet-Switch ausreichend Leistung für alle unterlagerten Geräte zur Verfügung stellen muss, ist der Trunk nur in der Schutzart »Erhöhte Sicherheit« (Ex e) realisierbar. Alternativ können die APL-Field-Switches auch vor Ort versorgt werden. Die Spur-Verbindungen zwischen den APL-Field-Switches und den daran angeschlossenen Feldgeräten werden in der Zündschutzart Eigensicherheit (Ex i) realisiert. Dazu soll die bestehende Norm IEC60079-11 entsprechend erweitert werden. Ziel ist es, in dem beschriebenen Trunk-Spur-Aufbau bis zu 50 Feldgeräte anschließen zu können, denen jeweils bis zu 500 mW Leistung zur Verfügung steht.

Zur diesjährigen ACHEMA wollen die ATP-Protagonisten ein Update bekannt geben. Als TimeLine für die Standardisierung ist die erste Jahreshälfte 2020 vorgesehen.

Mehr zu 802.3cg bietet die Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/IEEE_802.3

 

Open Process Automation versus Namur Open Architecture

 

Wer allerdings davon ausgeht, dass den Akteuren in der Welt der Prozessautomation mit NOA und APL  eine konfliktfreie Zukunft gehören würde, der irrt. Denn unabhängig von diesen durch Vereinigungen der Geräte- und Leittechnikhersteller unterstützten Aktivitäten präferiert die Anwenderseite mit der Initiative »Open Process Architecture« (OPA) offenbar einen anderen Lösungsansatz. Ausgehend vom Energiemulti Exxonmobil versuchen inzwischen zahlreiche Chemiekonzerne, mit OPA im Gegensatz zur Namur Open Architecture (NOA) die klassische Struktur komplett in Frage zu stellen. Die OPA-Strategie fokussiert den Bestand in der Prozessindustrie in weitaus höherem Maße als die Ansätze NOA und APL. Letztere sind in erster Linie auf neue Installationen von Instrumentierung und Leittechnik und deren funktionale Einbindung in IIoT-orientierte Digitalisierungskonzepte ausgerichtet. In der Vision OPA sollen hingegen auch die bislang proprietären Systeme und Komponenten mit in die neue »digitalisierte Welt« ohne die extrem kostenintensiven Migrationskonzepte mitgenommen werden können. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die großen prozesstechnischen Anlagen jeweils eine enorme installierte Basis umfassen, deren Erneuerungszyklen Zeiträume von 10 bis 20 Jahre umfassen und deren Migration jeweils Unsummen für erforderliche Anpassungen ausmachen.  Mit OPA sollen Ziele wie einfachere Automatisierungsstruktur, einfache Portierbarkeit der prozessspezifischen Applikationssoftware, herstellerunabhängiger Einsatz von Automatisierungshardware, geringe Abhängigkeit von einzelnen Automatisierungslieferanten bei niedrigen Lebenszykluskosten sowie möglichst einfacher Optimierung der installierten Anlagentechnik erreicht werden. OPA favorisiert eine komplett offene Automatisierung in der Prozessautomation, in der Hard- und Software beliebiger Hersteller in einer Anlage genutzt werden und problemlos zusammenarbeiten, also »plug-and-play«-fähige Multi-Vendor-Automatisierungssysteme.

Die in den USA entstandene OPA-Strategie zielt nicht ab auf die Schaffung eines Konzern- oder Branchenstandards, sondern soll sowohl  Standardisierungsgremien als auch andere Anwender, Systemintegratoren, Hersteller und auch Hochschulen von der Idee überzeugen. Neben Exxonmobil, Chevron, Dow und Praxair gehören bereits die US-Gesellschaften von BASF, BP und Merck zu den bekannten Anwendervertretern im Open Process Automation Forum. Auch Shell (Niederlande) gehört zu den Unterstützern.

 

Der Autor: Dipl.-Ing. Wolfgang Klinker (WKlinker@outlook.de) ist freiberuflicher Journalist in Landsberg am Lech.

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Die Herstellung von Prozess-Feldgeräten umfasst heutzutage die IIoT-Funktionalität und die Adaption an die Systemwelt. Foto: Endress+Hauser

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Bild links: Die »Welt« der bisherigen Kommunikationstechniken wird sich mit den neuen IIoT-Konzepten nachhaltig ändern. Symbolische Grafik: Siemens AG

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