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Offshore-Windenergieanlagen  (OWEA) – Bestandsanalyse 2018

 

Ausbauziele auf mindestens 20 GW bis 2030 anheben

Wie die Branchenexperten weiter ausführten bremsen die aktuellen politischen Rahmenbedingungen die weitere positive Entwicklung der Offshore-Windenergie in Deutschland aus. Laut Koalitionsvertrag sollen 65 % der deutschen Stromerzeugung bis zum Jahr 2030 aus erneuerbaren Energieträgern gewonnen werden, was jedoch mit dem derzeit vorgesehenen Zubau nicht zu realisieren ist. Dies betonte auch der Aufruf von Industrie und Bundesländern an die Bundespolitik, zuletzt auf der Fachmesse WindEnergy in Hamburg, dessen inhaltliche Aussage aktuell von den Verbänden erneut hervorgehoben wurde. Dieser Aussage zufolge  benötigt die Offshore-Branche. um den im Koalitionsvertrag dargestellten Beitrag zur Erreichung der Ziele zu leisten, einen Ausbau auf mindestens 20 GW bis 2030 und mindestens 30 GW bis 2035. Die energiepolitische Agenda 2019 bietet demnach die Chance, in diesem Jahr zukunftsgerichtete Entscheidungen zu treffen und die fehlenden Aussagen zu Offshore-Wind im Energiesammelgesetz zu vervollständigen, so argumentierten die Branchenvertreter.

 

Klimapolitische Fortschritte mit industriepolitischen Impulsen verbinden

Die Offshore-Windindustrie hat nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie seit 2013 mehr als 15 Mrd. Euro investiert. Die Branche benötigt nun einen verlässlichen Rahmen und ein klares Signal der Politik. Dafür muss das höhere Ausbauvolumen so schnell wie möglich auf den Weg gebracht und die planerischen Voraussetzungen geschaffen werden. Ein Beharren auf dem Status Quo kostet Arbeitsplätze und gefährdet die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte. Die aktuell zu beobachtende Abwanderung von Fachkräften in ausländische Märkte ist ein Warnsignal, welches ernst genommen werden muss. Für den Industriestandort Deutschland ist das über Jahre erarbeitete Know-how in der Offshore-Windenergie ein essentieller Vorsprung im wachsenden internationalen Wettbewerb, der erhalten werden muss.

Ausblick: Sonderbeitrag Offshore-Wind im ersten Quartal 2019

Die Verbände kritisierten, dass das im Dezember 2018 verabschiedete Energiesammelgesetz keinen, wie im Koalitionsvertrag ursprünglich vorgesehenen, Sonderbeitrag für die Windenergie auf See enthält. Zwar haben SPD und CDU/CSU das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) beauftragt, einen Szenariorahmen für Offshore-Windparks im Bereich 15 bis 20 GW anzufertigen. Die konkreten politischen Maßnahmen, die sich daraus ableiten, sind jedoch völlig unklar. Die Chance, noch im ersten Quartal 2019 den im Koalitionsvertrag vorgesehenen Sonderbeitrag durch die Vergabe von mindestens 1.500 MW zur Nutzung der noch freien Konverterkapazitäten auf den Weg zu bringen, sollte jetzt ergriffen werden. Dringenden Handlungsbedarf gibt es auch bei der Konkretisierung des Testfelds für die Offshore-Windenergie. Nach Auffassung der Branchenvertreter darf es keine weitere Verzögerung geben.

 

Netzausbau, -optimierung und Sektorenkopplung weiter voranbringen

Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien hängt der Erfolg der Energiewende in Deutschland wesentlich vom Netzausbau und Fortschritten bei der Sektorenkopplung ab. Die Bundesregierung sollte daher, wie in ihrem Aktionsplan Stromnetze vorgesehen, dem Ausbau der großen Übertragungsnetze Priorität einräumen und die zahlreichen Vorschläge zur Netzoptimierung schnell gesetzlich verankern. Des Weiteren sollten zügig regulatorische Hürden für die weitere Koppelung der Sektoren beseitigt werden.

 

Status des Offshore-Windenergieausbaus in Deutschland 2018

 

Hinweise: Die Daten zur jährlichen Bestandsanalyse über den Ausbau der Windenergie werden seit 2012 von der Deutsche WindGuard ermittelt. Die Organisation Deutsche WindGuard steht eigenen Angaben zufolge für eine unabhängige, herstellerneutrale Beratung und bietet umfangreiche wissenschaftliche, technische und operative Leistungen im Bereich Windenergie.

Die Daten zur Bestandsanalyse wurden mittels einer Abfrage bei Branchenakteuren erhoben sowie durch weitere Recherchen (u.a. bei BNetzA und BSH) ermittelt. Rückwirkende Anpassungen der Daten wurden auf Basis des Anlagenregisters der BNetzA und der Stammdaten der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) vorgenommen. Bei den Angaben in Text und Abbildungen handelt es sich teilweise um gerundete Werte. Bei deren Addition kann es daher zu geringen Abweichungen zu den Gesamtwerten kommen.

Offshore-Windenergiezubau

 

Im Jahr 2018 haben in Deutschland 136 neue Offshore-Windenergieanlagen (OWEA) mit einer installierten Leistung von 969 MW erstmals ins Netz eingespeist. Die kumulierte Leistung aller 1.305 zum 31. Dezember 2018 in Deutschland einspeisenden OWEA beträgt somit zum Jahresende 6.382 MW. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem um 23 % geringeren jährlichen Zubau.

Zusätzlich zu den bereits einspeisenden Anlagen wurden im Jahresverlauf 46 weitere OWEA mit 276 MW vollständig errichtet, die jedoch zum 31. Dezember 2018 noch nicht ins Netz eingespeist haben. Bis zum Jahresende sind weiterhin 124 Fundamente für die Anlageninstallation vorbereitet worden.

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Entwicklung der Offshore-Windenergie in Deutschland (Kapazität der OWEA mit Netzeinspeisung)

Alle Grafiken: © Deutsche WindGuard

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Links: Status des Offshore-Windenergieausbaus im Jahr 2018

 

Rechts: Verwendete Fundamenttypen im Zeitverlauf

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