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Das Kraftwerk Ouarzazate

Das Kraftwerk Ouarzazate (wird auch als Kraftwerk Noor bezeichnet) ist ein Solarthermie-Kraftwerk in Marokko, das ungefähr 10 km nordöstlich der Stadt Ouarzazate in der gleichnamigen Provinz gelegen ist. Etwa 10 km südöstlich des Kraftwerks befindet sich der Stausee El Mansour Eddahbi.

Das Kraftwerk ist im Besitz von ACWA Power Ouarzazate, einem Konsortium bestehend aus ACWA Power, Masen Capital, Aries Ingeniería y Sistemas und TSK Electrónica y Electricidad. Es ist das erste von 5 geplanten Solarkraftwerken in Marokko, die bis zum Jahr 2020 mit einer Gesamtleistung von 2.000 MW errichtet werden sollen.

Der Standort in der Nähe von Ouarzazate wurde u.a. deshalb gewählt, weil die jährliche Sonneneinstrahlung bei 2.635 kWh/m² (bzw. 2.500 kWh/m²) liegt, einem der höchsten Werte weltweit. Die Sonne scheint am Standort, von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, 365 Tage pro Jahr. Mit dem Bau der Anlage wurde am 3. Mai 2013 begonnen.

Um das Kraftwerk auch zur Spitzenlastzeit betreiben zu können, die in Marokko zwischen 18:00 und 19:00 Uhr anfällt, sind alle Anlagen mit thermischen Speichern ausgestattet worden. Die Speicher arbeiten mit einer eutektischen Salzmischung, bestehend aus 60 % Natriumnitrat und 40 % Kaliumnitrat. Der gesamte Komplex – also für alle Ausbaustufen - wird zwischen 84.000 und 140.000 t dieser Salzmischung benötigen.

Für die gesamte Anlage werden ca. 19 t Diesel pro Tag benötigt, um erstens die Salzmischung über der Erstarrungstemperatur von 110° C und zweitens die Temperatur des als Wärmeträger genutzten synthetischen Öls über 8° C zu halten.

 

Anlagen

Das Kraftwerk Ouarzazate soll im Endausbau eine installierte Leistung von 500, 560, 570 bzw. 580 MW haben. Es besteht gegenwärtig aus der Anlage Noor 1, die am 4. Februar 2016 in Betrieb ging. Eröffnet wurde das Kraftwerk von Marokkos Staatsoberhaupt, König Mohammed VI. Zwei weitere Anlagen sind als Parabolrinnenkraftwerk und als Solarturmkraftwerk im Bau, eine vierte als ist Solarpark (Photovoltaik) geplant. Die Anlagen tragen den Namen Noor mit nachfolgender Nummerierung. Noor steht in der arabischen und persischen Sprache sowie Urdu für das Wort Licht.

Anlage Noor 1

Die Anlage 1 ist ein Parabolrinnenkraftwerk, das auf einer Fläche von 450 ha errichtet wurde. Die Parabolrinnen erwärmen einen zirkulierenden Wärmeträger dabei von 297° C auf 393° C. Die Anlage hat einen thermischen Speicher, der die volle Leistung für drei Stunden bereitstellen kann. Die Parabolrinnen, die von der deutschen Firma Flabeg geliefert wurden, haben eine Höhe von 7 m und eine Breite von 3 m. Insgesamt 537.000 Parabolspiegel sind in 400 Reihen à 300 m Länge angeordnet. Sie werden permanent dem Stand der Sonne nachgeführt.

Anlage Noor 2

Anlage 2 soll ebenfalls mit Parabolrinnen errichtet werden. Es wurde eine Fläche von 750 ha bereitgestellt. Die Leistung wird bei 200 (bzw. 150 bis 200) MW liegen. Die Anlage wird mit einem thermischen Speicher von 2.800 MWh ausgestattet, der 5 (bzw. 3) Stunden Betrieb bei voller Leistung ermöglichen soll. Noor 2 sollte ursprünglich 2017 in Betrieb gehen.

Anlage Noor 3

Anlage 3 ist ein Solarturmkraftwerk mit einem 240 m hohen Solarturm und Heliostaten. Die erzeugte Temperatur wird bei 700° C liegen. Es wurde eine Fläche von 680 ha bereitgestellt. Die Leistung wird bei 150 (bzw. 100 bis 150) MW liegen. Die Anlage wird mit einem thermischen Speicher von 2.730 MWh ausgestattet, der sieben Stunden Betrieb bei voller Leistung ermöglichen soll. Die Anlage sollte 2017 in Betrieb gehen.

Anlage Noor 4

Anlage 4 soll aus Photovoltaik-Modulen bestehen. Es sollen Solarmodule mit einer Gesamtleistung von 50 bis 70 MW aufgestellt werden.

 

Finanzierung mit vielen Beteiligten

Die Weltbank schätzt die Gesamtkosten auf 2,677 Mrd. USD (Stand 2015). Sie vergab einen Kredit in Höhe von 400 Mio. USD an die Moroccan Agency For Solar Energy (MASEN). Die Kosten für die Anlage 1 werden mit 1 Mrd. USD (bzw. 633 Mio. oder 1,042 Mrd. €) angegeben. Die Kosten für die Anlagen 2 und 3 werden auf 1,8 Mrd. € geschätzt. Der VDI beziffert die Investitionskosten für die Anlagen 1 bis 3 mit 2,4 Mrd. €

Laut Pressemeldungen erhalten die Betreiber pro kWh 0,12 €. Andere Quellen geben 0,189 USD pro kWh für 25 Jahre an. Laut VDI wird der Strompreis vom Staat subventioniert, da die Erzeugungskosten mit 0,12 € pro kWh höher sind als bei konventionellen Kraftwerken.

Deutschland bringt von dem Finanzierungsbedarf etwa 38 % (834 Millionen Euro) in Form zinsvergünstigter Kredite auf. Für die Anlage 1 hatten das BMZ und das BMUB 115 Mio. € bereitgestellt. Die KfW hat im Auftrag von BMUB und BMZ für die Anlagen 2 und 3 weitere Kredite in Höhe von insgesamt 654 Mio. € gewährt. Projektpartner der KfW ist dabei MASEN. Daneben beteiligen sich die Europäische Kommission, die Europäische Investitionsbank, die Französische Entwicklungsbank (Agence Française de Développement), der Clean Technology Fund, die Afrikanische Entwicklungsbank, die Moroccan Agency for Solar Energy und ein per Ausschreibung gefundener privater Investor.

Quelle: Wikipedia, die freie Enzyklopädie, a.a.O.

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Wüste-Marokko

Das Bild zeigt einen marokkanischen Wüstenabschnitt des Kraftwerksgeländes von Quarzazate. Quelle: Wikipedia

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Die Grafik verdeutlicht das ursprüngliche Desertec-Konzept, in dem verschiedene regenerative Kraftwertkstechniken vorgesehen waren. Quelle: Desertec Foundation