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Status des Windenergieausbaus an Land in Deutschland - Jahr 2018 (3)

 

Netto-und Brutto-Zubau

Im Jahr 2018 wurden in Deutschland an Land (Onshore) 743 Windenergieanlagen (WEA) errichtet. Dies entspricht einem Brutto-Zubau in Höhe von 2.402 MW. Nach mehreren Jahren mit starkem Zubau bedeutet dies einen deutlichen Zubau-Einbruch. Verglichen mit dem Jahr 2017 wurde 55 % weniger Leistung neu installiert. Unter Berücksichtigung eines Rückbaus von 205 WEA - mit einer Gesamtleistung von 249 MW, ergibt sich für 2018 ein Netto-Zubau von 2.154 MW. Der erfasste kumulierte Anlagenbestand steigt damit zum 31. Dezember 2018 auf 29.213 WEA mit einer Gesamtleistung von 52.931 MW.

 

Durchschnittliche Anlagenkonfiguration

Die durchschnittliche Anlagenkonfiguration der neu installierten WEA wird durch die Parameter Nennleistung, Rotordurchmesser, Nabenhöhe und spezifische Leistung beschrieben. Die spezifische Flächenleistung ergibt sich dabei aus der Nennleistung im Verhältnis zur überstrichenen Rotorfläche.

Im Vergleich zum Vorjahr entwickelte sich insbesondere die Nennleistung der WEA nach oben und stieg um 9 % auf 3.233 MW. Auch Rotordurchmesser und Nabenhöhe stiegen – jeweils um 4 % im Vergleich zum Vorjahr – auf 118 m bzw. 132 m. Die spezifische Flächenleistung liegt mit 303 W/m2 um 2 % niedriger als im Vorjahr.

 

Die Bandbreite der in Deutschland zum Einsatz kommenden Anlagenkonfigurationen ist sehr groß. Im Box-Plot-Diagramm unten wird dies deutlich: So liegt beispielsweise die Nennleistung der einzelnen WEA zwischen 0,8 und 4,5 MW. Die meisten Anlagen (dargestellt durch die Quartile) weisen jedoch eine Leistung von 3 bis 3,45 MW auf.

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Abbau und Repowering

Im Jahr 2018 wurde ein Rückbau von 205 WEA mit einer Leistung von insgesamt 249 MW erfasst. Im Rahmen des Repowerings wurde ein Teil dieser Anlagen durch 111 neue Anlagen ersetzt. Diese Repoweringanlagen verfügen über eine Gesamtleistung von 363 MW. Damit ist die im Rahmen des Repowerings neu installierte Leistung gegenüber dem Vorjahr zwar gesunken, der Anteil des Repowerings am Brutto-Zubau des Jahres 2018 stieg jedoch nach dem Rückgang nach der Abschaffung des Repowering-Bonus im Jahr 2014 weiter an. Bei der Erfassung des Rückbaus wurden sowohl die Nachmeldungen aus dem Vorjahr als auch die im Anlagenregister der Bundesnetzagentur veröffentlichten Stilllegungen berücksichtigt. Die Identifizierung der in der Vergangenheit zurückgebauten WEA unterliegt einer erhöhten Unsicherheit und bleibt trotz der Erfassung von Nachmeldungen vermutlich unvollständig.

 

Regionale Verteilung des Windenergiezubaus

Standortdifferenzierte Vergütungselemente ermöglichten in Deutschland einen Windenergiezubau bis ins tiefere Binnenland hinein. In Abhängigkeit verschiedener Faktoren wie Verfügbarkeit von Flächen, landespolitische Entscheidungen usw., verläuft der Zubau in den Bundesländern jedoch nicht stetig.

Niedersachsen ist im Jahr 2018 - wie bereits im Vorjahr 2017 - das Bundesland mit dem größten Brutto-Zubau, obwohl nur etwa halb so viele Anlagen neu errichtet wurden. Nordrhein-Westfalen und Brandenburg folgen mit deutlichem Abstand.

Auch hinsichtlich der mittleren Anlagenkonfiguration gibt es deutliche Unterschiede in den Bundesländern. Besonders Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen stechen mit im Schnitt sehr niedrigen Nabenhöhen hervor. Hingegen sind weiter im Süden größere Nabenhöhen und eine niedrigere spezifische Flächenleistung üblich.

 

Regionale Verteilung des kumulierten Gesamtbestands

Der kumulierte Anlagenbestand verteilt sich ebenfalls über das gesamte Bundesgebiet. In allen Bundesländern werden WEA betrieben und tragen zur Energiewende bei. Während der absolut größte Anlagenbestand und die größte installierte Leistung in Niedersachsen zu finden ist, ist der Bestand bezogen auf die Landesfläche in Schleswig- Holstein am größten. Im Süden, wo der Ausbau später begann, ist der Bestand geringer. In den nördlichen Bundesländern sind 41 % der Gesamtleistung der Onshore-WEA installiert, der Anteil in den Bundesländern in der Mitte des Landes liegt bei 43 %, und die Länder im Süden vereinen lediglich 15 % der kumulierten Leistung.

Aufgrund der vermutlich unvollständigen Erfassung des Rückbaus sowie unterschiedlicher Definitions- und Zählsystematiken unterscheiden sich die dargestellten Daten von anderen Veröffentlichungen. Diese Problematik kann voraussichtlich künftig mit Hilfe des Marktstammdatenregisters gelöst werden.

 

Regionale Verteilung der Zuschläge in den Ausschreibungen

Im Jahr 2018 wurde in vier technologiespezifischen Ausschreibungsrunden für die Windenergie an Land in Deutschland eine Gesamtleistung von 2.343 MW vergeben. Damit wurde das Ausschreibungsvolumen von 2.710 MW, das in den Runden zur Verfügung stand, nicht ausgeschöpft. Der geringe Wettbewerb führte dazu, dass in den letzten drei Ausschreibungsrunden 2018 alle teilnehmenden Projekte, die z. B. nicht aus formalen Gründen ausgeschlossen wurden, einen Zuschlag erhalten haben. Die regionale Verteilung der Gebote und Zuschläge korreliert daher im Jahr 2018 stark.

Anders als in den drei Ausschreibungsrunden des Jahres 2017 waren 2018 ausschließlich Projekte mit einer Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) teilnahmeberechtigt. Dies schränkte den Pool der für die Ausschreibungen zugelassenen Projekte gegenüber dem Vorjahr deutlich ein.

 

Gebots-und Zuschlagswerte in den Ausschreibungen

In den Ausschreibungen für Windenergie an Land erhalten nur die Bieter einen Zuschlag, die den geringsten Gebotswert für ein Projekt am Referenzstandort abgeben. Handelt es sich dabei um Bürgerenergiegesellschaften (BEG), wird der Gebotswert nach dem Einheitspreisverfahren korrigiert und der zuzuordnende Zuschlagswert entspricht dem jeweils höchsten bezuschlagten Gebotswert. Bei regulären Projekten ohne Bürgerbeteiligung nach EEG entspricht der Gebotswert dem Zuschlagswert. Die möglichen Gebotswerte werden durch einen Maximalwert begrenzt, der im Jahr 2018 bei 6,3 ct/kWh lag.

 

Alle Grafiken: © Deutsche WindGuard

Sowohl die Gebots- als auch die Zuschlagswerte der Ausschreibungsrunden sind gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen. Allerdings sind die Werte nicht direkt vergleichbar, denn im Jahr 2017 waren die Ausnahmen für BEG noch weit reichender und sahen lange Umsetzungsfristen vor, wodurch mit zukünftigen Anlagentechnologien geplant und vergleichsweise niedrige Gebote abgegeben werden konnten. Seit 2018 ist zur Teilnahme eine BImSchG-Genehmigung erforderlich, die Umsetzungsfristen sind somit verkürzt. Gleichzeitig gab es durch die geringe Beteiligung an der Ausschreibung nur in der ersten der vier Runden Wettbewerb. Der mengengewichtete mittlere Zuschlagswert der vier Ausschreibungsrunden des Jahres 2018 liegt bei 5,6 ct/kWh.

Die anzulegenden Werte, die für die zu erwartenden Erlöse je Kilowattstunde der bezuschlagten Anlagen ausschlaggebend sind, resultieren aus der Anpassung der Zuschlagswerte mit Hilfe der standortspezifischen Korrekturfaktoren. Dabei gilt: Verfügt das Projekt über einen höheren Energieertrag als den Referenzertrag, wird der Zuschlagswert nach unten korrigiert; wird ein geringerer Energieertrag erzielt, liegt der anzulegende Wert über dem Zuschlagswert.

Genehmigte Projekte und zukünftige Ausschreibungsrunden

Mit dem Energiesammelgesetz wurden durch Festlegung von Sonderausschreibungen die Ausschreibungsvolumina der kommenden drei Jahre für die Windenergie an Land deutlich erhöht. 2019 soll nun insgesamt eine Kapazität von 3.675 MW vergeben werden, 2020 und 2021 sind 4.100 MW bzw. 4.250 MW angekündigt. Hinzu kommt die Möglichkeit für Projekte, in der gemeinsamen Ausschreibung gegen PV zu bestehen.

Um die genannten Ausschreibungsvolumina zu füllen, müssen ausreichend genehmigte Projekte teilnehmen. Für die Runde im Februar 2019 wurden gemäß BNetzA zum Stichtag 11.01.2019 1.840 MW als genehmigt gemeldet und sind damit teilnahmeberechtigt. Etwa die Hälfte davon (914 MW) entfällt auf WEA, für die die Instal-lationsfrist zur Teilnahme am Übergangssystem Ende 2018 abgelaufen ist und die nun folglich an den Ausschreibungen teilnehmen können, um sich eine Förderung zu sichern. Die andere Hälfte setzt sich aus Projekten, die ab 2017 genehmigt wurden und bisher keinen Zuschlag erzielt haben, sowie den Projekten mit älterer Genehmigung, die von vornherein auf die Teilnahme am Übergangssystem verzichtet haben, zusammen.

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