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Fortsetzung: Leben in der Zukunft – die Megacity (2)

 

Des Weiteren prognostiziert Frost & Sullivan, dass die Asien-Pazifikregion bis zum Jahr 2025 die am schnellsten wachsende Region im Bereich Smart Energy sein wird. Zudem werden über 50 % der weltweiten Smart Cities in China zu finden sein. Die meisten Investitionen in Smart-City-Projekte werden laut der Frost & Sullivan-Studie allerdings in Europa getätigt. Hintergrund sei das Engagement der Europäischen Union in Bezug auf die Entwicklung solcher Initiativen. Insgesamt sollen Smart Cities nach Schätzungen von Frost & Sullivan bis zum Jahr 2025 Geschäftsmöglichkeiten im Wert von voraussichtlich über 2 Billionen US-Dollar (rund 1,6 Billionen Euro) generieren.

 

Urbanisierung als Anlagestrategie

 

In eine ähnliche Richtung »läuft« die Argumentation der Schweizer Finanzgesellschaft Pictet Asset Management. Die Kapitalanlage-Experten der Pictet Asset Management erwarten, dass aufgrund der Urbanisierung – immerhin werden bis 2045 mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in  Städten mit nur etwa 2 % der Landfläche der Erde leben - Infrastruktur, Ressourcen und Umwelt unter Druck gesetzt werden. Da dieser Bevölkerungsteil aber mit 80 % zur gesamten Wirtschaftsleistung beiträgt, resultiert für  Planungsverantwortliche »erfreulicherweise« eine Herausforderung: Der Handlungsdruck nimmt extrem zu. Überall auf der Welt arbeiten daher öffentliche Hand und privater Sektor mittlerweile eng zusammen, um Städte lebenswerter und nachhaltiger zu machen.

Nach Einschätzung der für Themenfonds bekannten Schweizer Finanzgesellschaft wird die Prognose der City Bank, der zufolge jährliche Investition von rund 2,1 Billionen US-Dollar für Infrastruktur, Wohnungsbau, Bildung, Gesundheit, Freizeit und Gebäude erforderlich sind, dazu führen, dass sich durch die Entstehung smarter Städte weitreichende Geschäftsmöglichkeiten für viele verschiedene Unternehmen ergeben. Nur so lassen sich  negative ökologische Folgen des städtischen Wachstums begrenzen und die natürlichen Lebensgrundlagen der Städte und ihres Umlandes erhalten. Als Reaktion auf die neuen Entwicklungen in städtischen Ballungszentren hat Pictet Asset Management die Anlagestrategie »SmartCity« entwickelt. Sie investiert in Unternehmen, von denen die Finanzgesellschaft glaubt, dass sie auf den Urbanisierungszug aufspringen werden. Investmentmöglichkeiten sehen die Experten hauptsächlich in den folgenden drei großen Bereichen: Aufbau der Städte, Bewirtschaftung der Städte und Leben in den Städten.

 

Aufbau der Städte

 

Obwohl für die Vereinten Nationen die Entwicklung von »Smart Cities« ein Kernthema der Nachhaltigkeitsziele ist, gibt es eine Definition für Städte, die vor allem Denkmalschützer in Deutschland erschüttern wird: Städtische Siedlungen sind definiert als Siedlungen mit einer Bevölkerungsdichte von mindestens 300.000 Menschen. Und bis 2045 werden zusätzlich weitere 2 Mrd. Menschen in den Ballungszentren leben. Die Konsequenz daraus: Mehr Menschen erfordern mehr Gebäude: Wohnhäuser, Büros, Schulen, Freizeitzentren, Infrastrukturen. Und hierzu müssen entsprechende Finanzmittel verfügbar sein.

Im Ökosystem Smart City werden die Investitionsschwerpunkte ungleich bewertet. Hierzulande wird dem Bereich Transport & Logistik das größte Marktvolumen vorausgesagt. Nach Expertenmeinung werden sich zukunftsweisende Mobilitätsstrategien, wie sie in den Smart Cities Wien oder Dubai zum Teil schon umgesetzt wurden, auch in Deutschland durchsetzen, prognostiziert jedenfalls eine Studie. Der Bereich mit dem größten Marktvolumen im Smart-City-Ökosystem ist und bleibt demnach die Transport & Logistik-Branche. Intelligente Parksysteme, reibungslose Verzahnung unterschiedlicher Verkehrssysteme und intelligentes Verkehrsmanagement sind einige der genannten Services aus diesem Segment.

Auch der Bereich IT-Sicherheit und Netzinfrastruktur profitiert von besonders großen Investitionen – mit circa 3,5 Mrd. Euro Umsatz im Jahr 2017 und einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von über 13 %. Gemeinsam mit dem Bereich »Physische Sicherheit« mit audiovisueller Überwachung, intelligenten Zugangskontrollsystemen sowie Identitätsmanagement und Gebäudeautomatisierung vereinen die oben genannten Wachstumsfelder über 65 % des gesamten Smart-City-Marktes im Jahr 2017 für sich.

 

Klassische Infrastruktur im Hintertreffen?

 

Smart Cities sind bereits Realität, und die Gleichung Megacity = Smart City ist aufgrund der Komplexität dieser Siedlungsformen zulässig. Die von Beratungsfirmen teilweise unterschiedlich hoch eingeschätzten Investitionsvolumina finden immerhin eine übereinstimmende Begründung: Smart Cities müssen in ihrer Entwicklung finanziert werden und bieten als neue Marktplätze nachhaltige Investitionschancen. Beispielsweise nennt eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Persistance Market Research die Summe von 1 Billion (Mrd.) US-Dollar (USD) für das Jahr 2019. Investitionen in Smart City Projekte sollen bis 2026 auf rund 3,5 Billionen (Mrd.) US-Dollar anwachsen.

Shanghai

Ein komplexes Gebäude in Shanhai - fast eine Stadt für sich. Bild: Wikipedia

Selbstverständlich sind Basistechnologien wie IT oder Regenerative Energie - rund 18 % des investierten Smart-City-Kapitals fließen in die Entwicklung intelligenter regenerativer Energiesysteme – Teil des Smart City Hypes. Aber als Boom-Segmente der Zukunft sehen Experten die smarte Gebäudetechnik (Smart Home) und Sicherheitstechnologien. Die intelligenten Gebäude und Quartiere, die nicht nur Wohnraum bieten, sondern Energie erzeugen, zum Stadtklima beitragen und neue Beteiligungs- und Arbeitsmöglichkeiten eröffnen sollen, werden bis 2026 zwischen 15 % und 16 % aller Investitionen ausmachen, geschätzt rund 520 Mrd. USD, und sie werden kontinuierlich zweistellig wachsen. Letztlich wird sich auch die klassische Infrastruktur der Wasserver- und Entsorgung im Bereich der Gebäudetechnik wiederfinden müssen, aber ob die dazu benannten Finanzmittel ausreichen, muss sich noch zeigen.

Die Entwicklung von Smart Cities bringt auch neue Risikopotenziale ins Blickfeld: Sicherheitstechnologien müssen vor allem die Achillesferse der Smart City schützen, denn mit der allumfassenden Vernetzung wird die megagroße Stadt nicht nur intelligenter, sondern auch hackbar. Investitionen in Cybersicherheit und Sicherheitstechnologien werden nach Expertenmeinung alleine bis 2020 jährlich um rund 20 % wachsen.

Die Smart City ist eine Projektionsfläche und sicher auch ein Marketing-Vehikel etlicher global agierender Hochtechnologieunternehmen. Planspiele zu der Finanzierung von Smart Cities sind keineswegs gesichert. Sicher ist aber, dass die neuen, technologiebasierten Lösungen mit urbanen Herausforderungen finanziert werden müssen und in den kommenden Jahren einen Investitionsboom auslösen werden – und sicher wird auch das Investieren smarter, als es heutzutage darstellbar ist.

Dass die evolutionäre Entwicklung hin zu global entstehenden Smart Cities in vollem Gang ist, verdeutlicht eine aktuelle Meldung. Diese Meldung besagt, dass China in den kommenden Jahren rund 62 Milliarden Dollar in das Energie- und Verkehrswesen Pakistans zu investieren plant. Bestandteil der Investitionsvorhaben sind eine knapp 400 Kilometer lange Autobahn von Peshawar nach Karachi, die dieses Jahr fertig werden soll, ein Flughafen und ein Krankenhaus in Gwadar sowie Wasserkraftwerke. Also Investitionen in Infrastrukturmaßnahmen, und diese Zielsetzung sollte auch hierzulande zur Nachahmung anregen.

 

Der Autor: Dipl.-Ing. Wolfgang Klinker WKlinker@outlook.de ist freiberuflicher Journalist in Landsberg am Lech.

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Versorgungskonzepte für Smart Cities

Megacities mit zig-Millionen Einwohnern funktionieren nur noch in Form von »Smart Cities«. Wie kann die Prozessindustrie auf die ökologischen Infrastruktur-Anforderungen der extrem schnell wachsenden Millionenstädte reagieren?

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